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BIODIVERSITÄT

Der Igel ist vom Aussterben bedroht

Vieler Orts ist die Population um bis zu 75% zurückgegangen


Der Igel erfreut sich als Tier des Jahres 2024 großer Beliebtheit in Deutschland und ist als Kulturfolger auch in vielen unserer Gärten zuhause. Doch die Zahlen sind seit Jahren rückläufig und inzwischen ist das Stacheltier auf der Roten Liste der IUCN als potentiell gefährdet eingestuft. 

Warum ist der Igel gefährdet?


Igel ernähren sich vor allem von Insekten und Spinnen, besonders von Käfern, aber auch von Würmern und Schnecken. Da diese in der heutigen Agrarlandschaft durch den Einsatz von Pestiziden immer weniger werden, sind viele von ihnen in unsere Gärten ausgewandert, wo sie als Schädlingsvertilger gerne gesehen werden. 


Doch die Lebensräume der Igel schrumpfen zusehends. Der Verlust von Hecken, wilden Ecken und nicht bebauten Flächen, die den Igeln Schutz und Nahrung bieten, stellt eine der größten Bedrohungen dar. Hinzu kommen   Unfälle   mit   Mährobotern,

Laubsaugern oder Kanntenschneidern, da sich die Tiere gerne im hohen Gras oder in Laubhaufen verstecken und bei der Gartenarbeit übersehen werden. Besonders auf den Straßen kommt es häufig zu Unfällen, weil die Igel sich bei Gefahr zusammenrollen anstatt zu flüchten.

Was können wir tun, um den Igeln zu helfen?

Igel sind vielleicht nicht die leisesten Zeitgenossen, wenn sie laut schmatzend ihren Weg durch die Hecke suchen oder sich grunzend mit ihren Artgenossen streiten, doch auch sie lieben ruhige Rückzugsorte. Das können Laubhaufen, Komposthaufen, Hecken oder Holzstapel sein. Auch wenn diese manchmal vielleicht “unordentlich” aussehen, bieten sie nicht nur den Igeln Unterschlupf und Jagdrevier, sondern auch vielen anderen Arten einen Lebensraum und sind damit eine wertvolle Aufwertung für den ganzen Garten. 

Foto: Hedgehogstreet.org

Igel sind sehr viel unterwegs und haben große Reviere. Sie sind allerdings keine besonders guten Kletterer. Damit sie also von Garten zu Garten wandern können, brauchen sie Durchgangsmöglichkeiten im Zaun.


Dafür genügen schon kleine Löcher mit einem Durchmesser von ca. 15 cm. Schau dir deinen Garten doch einfach mal aus der Perspektive eines Igels an und überlege, wie du am besten in den Nachbargarten gelangen könntest. 


Wenn wir auf den Igel als natürlichen Schädlingsbekämpfer setzen wollen, können wir getrost auf chemische Pflanzenschutzmittel oder Dünger verzichten. Diese schaden nur dem Lieblingsessen der Igel, den Insekten und damit auch den Igeln selbst. 


Foto: Hedgehogstreet.org

Foto: Hedgehogstreet.org

Und falls ihr einen Rasenmähroboter zuhause habt, dann ist es wichtig darauf zu achten, dass dieser nicht mehr unterwegs ist, sobald die Igel in der Dämmerung aus ihren Verstecken kommen. Wer doch mal ein verletztes Tier findet, kann sich an die Igelnothilfe in Berlin wenden. 


Bald wachen die Igel aus ihrem Winterschlaf auf und ihr könnt sie mit etwas Glück im Garten oder im Park beobachten, wenn es dämmert. Wenn ihr euch als Igelforscher*in betätigen wollt,  dann könnt ihr das bei der Igelchallange von ProIgel tun.

Tipps in der Übersicht

Es gibt viele Möglichkeiten, wie jeder von uns seinen Garten igelfreundlich gestalten kann. Wir haben einige einfache, aber wirkungsvolle Tipps zusammengestellt:

Verstecke und Unterschlupfmöglichkeiten schaffen

Igel benötigen Unterschlupf, um sich vor Kälte und Fressfeinden zu schützen, aber auch um ihre Jungen großzuziehen. Durch Reisighaufen, Laubhaufen oder kleine Holzstapel kannst du Rückzugsorte schaffen, die den Igeln als Quartier dienen können. Auch eine selbstgebaute Igelhütte kann eine gute Möglichkeit sein.


„Unordnung“ zulassen

Igel lieben wilde Gärten mit ungeschnittenen Hecken, hohem Gras und verwilderten Ecken. Diese natürlichen Bereiche bieten Nahrung und Schutz. Wenn möglich, lasse Teile deines Gartens „unordentlich“, um den Igeln eine sichere Umgebung zu bieten.

Barrierefreier Garten
Zäune und Mauern können zu unüberwindbaren Hindernissen werden und dem Igel den Weg zu geeigneten Lebensräumen abschneiden. Nach dem Vorbild der britischen „Hedgehog High-ways“ („Igelstraßen“) wollen wir Gärten miteinander vernetzen und Barrieren für Igel abbauen.


Das Prinzip ist einfach: Öffnungen in Zäunen und Mauern oder kleine Rampen verbinden Gärten miteinander und schaffen Eintrittsmöglichkeiten für Igel, die zum Beispiel an der Straße entlanglaufen. Ein Durchgang für Igel sollte etwa 13 mal 13 Zentimeter groß sein. Mit solchen Igeltoren sorgen Gartenbesitzer dafür, dass die Tiere direkte Wege nutzen können und nicht unnötig über Straßen geleitet werden, wo sie schlimmstenfalls dem Verkehr zum Opfer fallen.
Schächte oder Teiche ohne Ausstiegsmöglichkeit sind für Igel lebensgefährlich.


Keine Pestizide und kein Schneckenkorn

Der Einsatz von chemischen Mitteln im Garten schadet nicht nur den Insekten, sondern auch den Igeln, die sich von diesen ernähren. Verwende, wenn überhaupt natürliche Alternativen zur Schädlingsbekämpfung oder lass' den Igel seine Arbeit machen.

Vorsicht mit Mährobotern und Kantenschneidern
Selbstfahrende Rasenmäher und elektrische Kantenschneider können Igeln tödliche Verletzungen zufügen, da die Tiere bei Gefahr keinen natürlichen Fluchtinstinkt haben, sondern sich zu einer stacheligen Kugel zusammenrollen. Wenn überhaupt, sollten Mähroboter nur tagsüber zum Einsatz kommen. Dann verstecken sich Igel in ihren Tagesquartieren.


Bitte nicht füttern

Igel sind Insektenfresser, aber auch kleine Tiere wie Würmer und Schnecken stehen auf ihrem Speiseplan. Um eine Domestizierung zu vermeiden und nicht ungewollt anderes Getier anzufüttern, sollte auf die Fütterung von Igeln generell verzichtet werden. Wenn du im Herbst einen kleinen Igel findest, der unter 400 g wiegt, dann bringe ihn am Besten in eine Igelauffangstation.


Gemeinsam für den Igel

Die Igelpopulation in Berlin-Lichterfelde lässt sich nur durch gemeinschaftliches Handeln retten. Indem wir unsere Gärten igelfreundlich gestalten und auf die Bedürfnisse der Tiere achten, können wir einen entscheidenden Beitrag zum Schutz dieser wertvollen Tiere leisten. Lasst uns zusammenarbeiten, damit der Igel auch in Zukunft ein Teil unseres Kiez bleibt!


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