NL03_Regenwasser

AKTION

Regenwasser - die Wertvolle Ressource

Mit Regenwasser wertvolle Ressourcen nutzen und gleichzeitig Geld sparen


Lange war es still um das Thema Regenwasser. Doch das ändert sich. In Folge der Klimaveränderung hat auch in Berlin das Thema Wassermanagement in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.


Dabei sind die Bedingungen im Umgang mit Regenwasser in Berlin nicht überall gleich. Im Stadtzentrum gelangt das Regenwasser zusammen mit dem Abwasser in die so genannte Mischwasserkanalisation, wohingegen außerhalb des S-Bahn-Rings, Abwasser und Regenwasser zumeist in getrennten Kanälen abfließen. Darüber hinaus gibt es Gebiete, die über keine Regenwasserkanalisation verfügen, und sogar ein kleiner Restbestand an Altsiedlungen, in der das häusliche Abwasser noch in Gruben gesammelt wird.

Regenwassernutzung als Chance

Unser Lichterfelder-Kiez befindet sich im Einzugsgebiet der Trennkanalisation, in der Regen- und Schmutzwasser getrennt voneinander gesammelt wird. Das Regenwasser wird in Oberflächengewässer eingeleitet, in unserem Fall überwiegend in den Teltowkanal (siehe Geoportal Berlin). Dennoch gibt es zahlreiche Potenziale, Regenwasser effizienter zu nutzen, um den Druck auf die städtische Kanalisation, z.B. bei Starkregen, zu verringern und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.


Die Anschaffung von Regenwasserspeichern in Form von Regentonnen, IBC-Containern (beides oberirdische Lösungen), Zisternen (unterirdisch) oder Kellertanks (gebäudeintern) sind in Berlin derzeit leider nicht förderfähig. 


Es können jedoch Niederschlagswassergebühren gemindert werden, wenn das Regenwasser vom Grundstück in die Kanalisation eingeleitet wird. Die Minderung beträgt 10%, sobald ein Speicher geschaffen wird, der mindestens 20 Liter Fassungsvermögen je Quadratmeter an die Regenwasserkanalisation angeschlossener Fläche aufweist.


Beispiel: Von einem Grundstück sind 100 m² Fläche an die Kanalisation angeschlossen. Es wird somit ein Speicher von 100 m² x 20 Liter/m² = 2.000 Liter = 2 m³ benötigt, um die Niederschlagswassergebühren um 10% zu mindern. Um die Minderung zu beantragen, müssen die Berliner Wasserbetriebe mit der Grundstücksadresse und einem Foto sowie einer Angabe zum Speicher, aus der die Speichergröße hervorgeht (bspw. Produktdatenblatt des Herstellers), kontaktiert werden. 


Für eine gebäudeinterne Nutzung, zum Beispiel für die Toilettenspülung oder Waschmaschine, wird eine Minderung der Niederschlagswassergebühr von 90% in Aussicht gestellt. Die Minderungstabelle von der Berliner Wasserbetrieben gibt darüber genauere Auskunft.


Welche Art und Größe für einen Regenwasserspeicher sinnvoll ist, hängt von der Ertragsfläche, d.h. die Flächen, über die Regenwasser zur Nutzung gesammelt werden kann, und dem gewünschten Bedarf, wie z.B. Gieß- oder Betriebswasser, Größe der zu bewässernden Fläche und dem erwarteten Wasserverbrauch im Gebäude, ab. Damit ihr diese Belange besser eingeschätzen könnt, gibt es auf der Homepage der Berliner Regenwasseragentur einen Zisternenrechner, der individuelle Einschätzungen ausgibt.


Die Berliner Regenwasseragentur informiert euch unabhänigig über innovative Lösungen, die nicht nur ökologische Vorteile bieten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Nutzt einfach dieses Angebot.

Zisternen und Regensäulen – Lösungen für die Regenwassernutzung

Zisternen sind unterirdische Wasserspeicher, die das Regenwasser von Dachflächen auffangen und für die spätere Nutzung bereitstellen. In Lichterfelde, wo viele Einfamilienhäuser und Gärten vorherrschen, sind diese Systeme besonders geeignet, um Regenwasser für die Gartenbewässerung oder sogar für die Toilettenspülung zu nutzen.


Der Vorteil: Das gesammelte Regenwasser wird nicht in die Abwassersysteme eingeleitet, sondern direkt vor Ort verwendet, wodurch sowohl die Abwasserkosten sinken als auch wertvolle Ressourcen gespart werden.


Regensäulen, eine vergleichbare Technologie, bieten eine Alternative für Haushalte oder kleinere Grundstücke, die nicht über den nötigen Raum für eine große Zisterne verfügen. Diese säulenartigen Regenwasserspeicher sammeln das Regenwasser direkt vom Dach und leiten es in einen sichtbaren, kompakten Speicher. Auch hier ist die Nutzung des gesammelten Wassers für die Gartenbewässerung und andere Zwecke eine Möglichkeit, Abwasserkosten zu senken und den Wasserverbrauch insgesamt zu reduzieren.


Vorteile der Regenwassernutzung


Kostenersparnis bei Nutz- und Abwasserkosten

Die Berechnung der Abwasserkosten basiert oft auf dem Wasserverbrauch, so dass jeder nicht verbrauchte Liter Leitungswasser, gleichzeitig die Abwasserkosten senkt. Dazu kommen Mindesrungsmöglichkeiten bei entsprechend nachgewiesener Sammlung (s. oben).


Umweltschutz

Indem Regenwasser nicht in die Kanalisation geleitet wird, wird die Belastung der städtischen Abwasserinfrastruktur verringert, die in den letzten Jahren immer häufiger an ihre Kapazitätsgrenzen stößt – besonders bei Starkregenereignissen, die durch den Klimawandel verstärkt auftreten.


Nachhaltige Ressourcennutzung

Die Nutzung von Regenwasser für nicht-trinkwasserrelevante Zwecke, wie die Bewässerung von Gärten oder die Toilettenspülung, trägt zur Schonung der wertvollen Trinkwasserressourcen bei.


Erhöhung der Klimafestigkeit

Regenwassernutzung hilft, städtische Flächen durch die dezentrale Speicherung von Wasser zu entlasten. So wird die Gefahr von Überschwemmungen bei Starkregenereignissen verringert und die Stadt besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels gerüstet.



Fazit

Im Bezirk Lichterfelde und in ganz Berlin bietet das Wassermanagement durch Regenwassernutzung eine zukunftsfähige Lösung, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist. Der Einbau von Zisternen oder Regensäulen hilft nicht nur, die Abwasserkosten zu senken, sondern trägt auch dazu bei, die Stadt klimaresilienter und nachhaltiger zu gestalten.

Zwei Grundstückseigentümer im Kiez haben aktuell den Einbau von Zysternen realisiert und so in eine nachhaltige Zukunft invstiert.

Zwei Grundstückseigentümer im Kiez haben aktuell den Einbau von Zysternen realisiert und so in eine nachhaltige Zukunft invstiert.

Regensäulen-Kollektiv-Einkauf

Wer nicht gleich seinen Garten aufbuddeln möchte, der kann sich vielleicht mit der Anschaffung einer Regensäule an das Thema herantasten.


Der Einbau ist für den geübten Handwerker leicht zu realisieren und die Anschaffungskosten halten sich dabei im Rahmen.


In unserem Newsletter 02 haben wir angeregt, mit einem Kollektiveinkauf die Anschaffungs- und Transportkosten für eine Regentonne zu reduzieren. Denkbar ist natürlich auch den Einbau durch ein Fachunternehmen gemeinschaftlich zu organisieren.


Weitere Informationen findet ihr im Newsletterartikel und auf der Webseite des Herstellers Speidel.

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Regensäulen auch an Mehrfamilienhäusern

Nicht alle von uns haben das Privileg in Wohneigentum zu wohnen und damit auch nicht die Möglichkeit einfach eine Regensäule zu installieren. Ein schönes Beispiel aus der Innenstadt zeigt jedoch, dass Vieles möglich ist, wenn man sich engagiert. So hat Jörg Winners, Sprecher der Initiative Fritschestraße, in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und der Initiative Wassertanke erreicht, dass dort auf den Bürgersteigen zwei Wassersäulen für die Bewässerung des Straßengrüns installiert wurden.

Was Mieter tun können

Über die Betriebskostenabrechnung tragen Mieter anteilig unter anderem die Kosten für Straßenreinigung, Müllabfuhr und auch für Nutz- und Abwasser. Da die Kosten für Wasser in den letzten Jahren kräftig gestiegen sind und mit einem weiteren Anstieg zu rechnen ist, trifft das jeden Mieter, so dass in gemeinschaftlichen Wohnanlagen die Nachbarn schon sehr genau schauen, wie viel Wasser für die Gartenbewässerung entnommen wird.


Ein gutes Argument gegenüber der Hausverwaltung/des Vermieters kann also sein, über ein Wassermanagement den Werterhalt der Immobilie, z.B. durch eine gepflegte Außenanlage, zu sichern und gleichzeitig Kosten für die Mieter einzusparen. 


Dabei müssen Vermieter nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit handeln. Konkret bedeutet dies, dass Vermieter die Mieter immer nur mit solchen Kosten belasten dürfen, die wirtschaftlich angemessen sind. Im Rahmen seines Ermessenspielraums soll ein Vermieter wirtschaftlich – das heißt: unter Einhaltung eines entsprechenden Kosten-Nutzen-Verhältnisses – handeln.


Du kannst also versuchen, deinen Vermieter auf die Wasserproblematik aufmerksam zu machen und ihm vielleicht schon konkrete Maßnahmen vorschlagen.

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